Prüfung & Validierung

Die Prüfung barrierefreier PDF‑Dokumente ist ein zwingender Bestandteil des Qualitätsprozesses. Dieses Modul beschreibt Werkzeuge, Prüfverfahren und empfohlene Abläufe zur Validierung von PDF/UA‑1‑ und PDF/UA‑2‑Dokumenten, die mit Typst erzeugt wurden.

  • Sicherstellen, dass das erzeugte PDF vollständig den Anforderungen von PDF/UA entspricht
  • Einsatz geeigneter Prüf- und Validierungstools
  • Kombination aus automatischer und manueller Prüfung
  • Erkennen und Beheben typischer Fehler

Grundlagen der PDF/UA‑Prüfung

Permalink "Grundlagen der PDF/UA‑Prüfung"

PDF/UA verlangt u. a.:

  • korrekte Tag‑Struktur
  • vollständige Dokumentmetadaten
  • korrekte Lesereihenfolge
  • Alternativtexte
  • Unicode‑konforme, eingebettete Schriften
  • korrekte Rollenabbildungen
  • semantische Konsistenz (keine übersprungenen Überschriftenebenen)

Diese Anforderungen müssen sowohl automatisiert als auch manuell überprüft werden.

Automatische Prüfwerkzeuge

Permalink "Automatische Prüfwerkzeuge"

Das zentrale Prüfwerkzeug für PDF/UA:

  • kostenlos
  • prüft Tag‑Struktur, Metadaten, Lesereihenfolge
  • liefert verständliche Hinweise und Fehlerlisten

Open‑Source‑Validator für PDF‑Standards:

  • streng regelbasiert
  • unterstützt PDF/UA
  • nützlich zur Prüfung technisch schwieriger Randfälle

Kommerziell, aber hilfreich:

  • detaillierte Analyse
  • Validierungsprofile für PDF/UA‑1 und PDF/UA‑2
  • ermöglicht gezielte Fehlerkorrektur

Automatische Prüfungen reichen nicht aus. Screenreader‑Tests sind Pflicht.

  • NVDA (Windows, kostenlos)
  • JAWS (Windows, kommerziell, häufig im Berufsalltag genutzt)
  • VoiceOver (macOS/iOS)
  • Stimmt die vorgelesene Überschriftenhierarchie?
  • Wird der Text in der richtigen Lesereihenfolge ausgegeben?
  • Sind Tabellen vollständig navigierbar?
  • Werden Abbildungen mit korrekten Alternativtexten angesagt?
  • Werden Formeln korrekt erkannt bzw. ist eine verbale Beschreibung vorhanden?

Ursache: Texte durch Formatierung statt durch echte Überschriften gesetzt.
Lösung: Überschriften mit = in Typst setzen.

Ursache: eingebundene Bilder ohne alt:‑Angabe.
Lösung: Immer alt: im figure‑Element angeben.

Ursache: fehlende oder unvollständige Angaben in #set document().
Lösung: Titel, Autor, Sprache vollständig angeben.

Ursache: erste Tabellenzeile visuell fett, aber ohne semantische Kennzeichnung.
Lösung: Kopfzeilen als *fett* (Typst erzeugt daraus <TH>‑Zellen).

  1. Typst‑PDF erzeugen
    Sicherstellen, dass #set pdf(accessibility: "ua-1") bzw. "ua-2" gesetzt ist.

  2. Automatischer Test (PAC 2024)

    • Tag‑Struktur prüfen
    • Metadaten prüfen
    • Fehlermeldungen dokumentieren
  3. Abgleich mit veraPDF

    • technische Validierung
    • Standardspezifika prüfen
  4. Manueller Screenreader‑Test

    • gesamtes Dokument testweise vorlesen lassen
  5. Korrekturen am Typst‑Dokument

    • strukturelle Fehler beheben
    • Alternativtexte ergänzen
    • Tabellen und Überschriften optimieren
  6. Erneute Validierung

    • finaler PAC‑Durchlauf muss „grün“ sein
    • bei UA‑2: zusätzlich Preflight verwenden

Beispiel: Minimaler Prüfbericht

Permalink "Beispiel: Minimaler Prüfbericht"
Prüfbericht – PDF/UA‑Validierung
Dokument: projektbericht.pdf
Datum: 2026‑03‑23

Automatische Prüfung (PAC 2024):
- Tag‑Struktur: OK
- Überschriftenhierarchie: OK
- Alternativtexte: 1 Fehler (Abbildung 3 ohne alt)
- Lesereihenfolge: OK

veraPDF:
- PDF/UA‑1: konform

Screenreader-Test (NVDA):
- Tabelle im Kapitel 2 vollständig navigierbar
- Abbildung 3 ohne Beschreibung → korrigiert

Fazit: Nach Korrektur vollständig PDF/UA‑1‑konform.

Dieses Modul vermittelt:

  • die wichtigsten Tools zur PDF/UA‑Prüfung
  • die Kombination aus automatischer und manueller Kontrolle
  • typische Fehler und deren Ursachen
  • einen praxisbewährten Prüfworkflow

Damit lassen sich mit Typst erzeugte PDF‑Dokumente zuverlässig als PDF/UA‑1 oder PDF/UA‑2 validieren und normgerecht veröffentlichen.

Informationen zu diesem Artikel

Gerne können Sie uns Feedback per E-Mail zu unserer Handreichung senden!